"Nacht der Musik" Siegen
- binehoffmann
- 10. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Artikel aus der Westfalenpost vom 17.11.2025
Eine rauschende Nacht der Musik
Bei diesem Festival im Herzen Siegens bleibt kein Musikwunsch unerfüllt.
Siegen Wer auch immer die Idee hatte, in Siegen eine Nacht der Musik anzubieten; er oder sie hat ins Schwarze getroffen. Auch in der 12. Ausgabe ist dieser Abend in Sachen Vielfältigkeit nicht zu überbieten. Und das Schönste ist: Alle Schauplätze liegen so eng beieinander wie noch nie. Die Musikfreunde erreichen sie, ohne sich anstrengen zu müssen, bequem zu Fuß. Wohl kaum ein anderes Musikfestival in Deutschland kann seinen Bürgern das bieten – zumal bei freiem Eintritt.
Der Musikfreund kann seine Rallye entweder ganz oben beginnen, im Oraniersaal des Siegerlandmuseums, mit einem Klavierabend von Studierenden des Fachs Musik der Uni Siegen, mit zwei, vier oder sogar acht Händen Kompositionen von Bizet bis Chopin. Ein exklusiver Musikgenuss im Oraniersaal des Siegerlandmuseums. Oder er beginnt seine musikalische Reise ganz unten: In der Martinikirche mit Musik vergangener Jahrhunderte, dargeboten von Ensembles der Fritz-Busch-Musikschule und danach mit Orgelklängen. Von Bach bis zur Filmmusik der Gegenwart zeigt Peter Scholl, Organist der Martinikirche, die Zeitlosigkeit dieser Mutter aller Instrumente.
Von dieser ältesten Siegener Kirche ist es ein Katzensprung zum Campus Unteres Schloss, dem neuesten Gebäude, das erstmals Schauplatz der Nacht der Musik ist. Stephanie Neigel, begleitet von Hanno Busch, dem Professor für Jazzgitarre und einem der gefragtesten Gitarristen Deutschlands, sind mit ihrer handgemachten Musik zwischen Jazz und Pop die große Entdeckung des Abends. Für die Dozentin für Jazzgesang ist es, wie Prof. Martin Herchenröder es ankündigt, ihr „Antrittskonzert“ in Siegen. Gespickt mit Scatgesang, dann wieder federleichtem Swing und auch Balladen mit leisen Tönen. Wer genau diese Reise durch die Welt des Jazz mit allen Facetten mag, freut sich, direkt gegenüber im Museum für Gegenwartskunst den Saxofonisten Felipe Olivera erleben zu dürfen. Auch er erstmals dabei und begleitet von der Rhythmusgruppe der Uni-Big Band Siegen mit Achim Weiß (Piano), Michael Grossenbacher (Bass) und Florian Schnurr am Schlagzeug.
Mit acht Ensembles sind die Chöre wie immer am stärksten vertreten. Etwa die „Dachschrägen“, eine Gruppe von Sängern in gestandenem Alter, die als A-cappella-Ensemble klassische Chorliteratur von Silcher bis Schubert singen und sich deswegen so nennen, weil ihre Proben unter dem schrägen Dach eines Chormitglieds stattfinden. Sie treten direkt vor Gospeltrain auf, das seit einem halben Jahrhundert Spirituals, Gospels und Pop-Songs in gewohnter Frische präsentiert. Eine musikalische Mutprobe, die den fünf dachschrägen Männern bestens gelingt. Besondere Vokalkunst bringen die zehn Männer von FIVEN aus der Region in das Kirchenschiff der Nikolaikirche. Ausgebildete Stimmen, zumal sich unter den Sängern auch der eine oder andere bekannte Chorleiter befindet. Hier stimmen Dynamik, Timing, Rhythmus, Klang. Damit haben sie schon die Jury beim diesjährigen landesweiten Sing und Swing Wettbewerb des Sängerbundes NRW vor 14 Tagen in Dortmund beeindruckt. Dort bekamen sie die besten Noten von allen über 30 beteiligten Chören.
Exzellente Chormusik des Männerchores Einigkeit Herzhausen, eines hochprämierten Meisterchores, das vielseitige Programm des gemischten Chores klaNGVoll, der 2021 aus der Fusion dreier Chöre aus der ehemaligen Sängerhochburg Netphen entstand, der Auftritt der Meisterchöre MGV Concordia Hainchen und des MGV Frohsinn Werthenbach prägen das Programm in der St. Marienkirche und zeigen, dass man für Klangreinheit und -stärke nur eines braucht: Bestens trainierte Stimmen. Die Akustik der St. Marienkirche trägt sie in jeden Winkel dieses Gotteshauses.
Natürlich kann der Musikfreund unmöglich alle Akteure an allen Orten der Nacht der Musik besuchen. Jeder pickt sich seine musikalischen Rosinen heraus, macht sich einen Ablaufplan oder aber sucht sich eine Kirche, in der er ohne Ortswechsel jeweils fünf verschiedene Ensembles genießen kann. Das ist sowohl in der Nikolaikirche wie auch in der Marienkirche möglich. Wobei wohlschmeckende Musikhäppchen auch im Rathaus geboten werden, wo junge Talente der Fritz-Busch-Musikschule ihr Können zeigen. Und vor allem nebenan im Haus Seel, wo bekannte heimische Künstler mal solistisch, im Trio und auch im Quintett von Bach bis Samba alles bieten. Und wenn dann im nächsten Jahr auch das dann frisch renovierte Lese-Café im Krönchen-Center wieder als Spielstätte dabei ist, hat der Musikfreund gleich fünf Möglichkeiten, rund um den Marktplatz musikalische Kunst zu genießen. Das gibt es nur in Siegen.




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