NGV feiert sein 150-Jähriges

Der Netphener Gesangverein, einer der ältesten Chöre des Siegerlandes, lud zum großen Fest mit Galakonzert und Freundschaftssingen.

gmz – Einer der ältesten Chöre im Siegerland, der Netphener Gesangverein 1861 (NGV), lud am Wochenende zum großen Festwochenende. Das begann mit einem ausführlichen Freundschaftssingen am Freitag, bei dem die Chöre der Arbeitsgemeinschaft im Netpherland dem Jubiläumschor musikalisch gratulierten. Der festliche Eindruck der Lieder wurde, so NGV-Präsident Hubert Rudolf Groos, noch durch den feierlichen Abschluss des Abends verstärkt, der für „Gänsehaut“ sorgte: Auf dem Rathausplatz traten der Spielmannszug St. Josef Dreis-Tiefenbach und der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Netphen zum Zapfenstreich an. Für alle, die es gehört haben, ein unvergessliches Erlebnis! Gelungen auch die Matinee am Sonntag, bei der rund 20 Chöre der drei NGV-Chorleiter, Musikdirektor Alexander Weber (Männerchor), Chordirektorin Ute Lingerhand-Hindsches (Frauenchor) und Chordirektor Bernd Schneider (Fun4Voices), zu Gast waren.

Was können wir Besonders bieten?
Aber auch das Galakonzert am Samstagabend in der vollbesetzten Georg-Heimann-Halle war dazu angetan, in bester Erinnerung zu bleiben. Es stand, wie Hubert Rudolf Groos betonte, unter der Frage: „Was können wir Besonderes bieten?“ Das Besondere waren fünf besondere Chöre, die im ausführlichen Programm Gelegenheit hatten, ihre Musik vorzustellen. So unterschiedlich die Chöre und ihre Ausrichtung waren, so bestachen sie doch alle durch einen ausgewogenen, meist sehr harmonischen Chorklang und gekonnte, textbezogene Interpretationen. Sie alle trugen, wie es von Vocale Unisono reffend formuliert wurde, „gesungene Geschichten“ vor. Sie hatten auf der Bühne „was zu erzählen“, nicht nur einen Vortrag abzuliefern. Und das machte den Abend zu einem spannenden!

Männerchor des NGV eröffnete das Konzert
Der Jubiläumschor des NGV, der Männerchor, eröffnete das Konzert unter der gewohnt überzeugenden, dynamisch und rhetorisch ausgefeilten Leitung von Alexander Weber. Mit dem „Festgesang“ und den Auszügen aus der „Maske in Blau“ (am Klavier schwungvoll begleitet von Ilona Broda, Soli: Herbert Jung) zeigten die Sänger, dass sie festliche wie erlebnishaft-dramatische Chorliteratur gleichermaßen zu gestalten verstehen: „Hebt ein schönes Singen an … dass dem Wahren, Schönen, Guten öffne sich des Menschen Herz“, könnte man in leichter Abwandlung des Textes die Vorträge und den Abend zusammenfassen.

Ton-Art, Unisono Vocale und Frauenchor im NGV folgten
Spritzig und gewohnt locker gestaltete anschließend die Gruppe Ton-Art ihren Auftritt (Leitung: Andreas Müller), schlug auch einen Bogen zu dem „anderen 150-Jährigen“, das am Wochenende in Siegen gefeiert wird: Mit „I’m A Train“ lieferte das Ensemble eine witzig choreografierte, vokal-instrumental verstärkte Hommage an die Anfänge der Zugmobilität. Für Begeisterung sorgten auch die zwölf Damen von Vocale Unisono (Leitung: Musikdirektor Maurizio Quaremba), die mit wirkungsvoll choreografierten Darbietungen (toll: der „Abendsegen“) dramaturgisch geschickt die Geschichte einer Liebe in stilistisch höchst unterschiedlichen Liedern aus ganz Europa erzählten. Der Frauenchor unter der Leitung von Chordirektorin Ute Lingerhand-Hindsches überzeugte mit Verve und Schwung, machte beispielsweise aus dem mundartlichen „Übern See“ ein kleines Abenteuer, in dem dann doch die Liebe siegt. Sympathisch war übrigens, dass Groos am Festabend auch an die Verdienste vergangener Chorleiter erinnerte, namentlich an die von Hans Lingerhand, dem früh verstorbenen Vater der Frauenchor-Leiterin, der den NGV sehr geprägt hat.

Ein überzeugender Spitzenchor: Cantabile Limburg
Zum Abschluss und vielleicht auch als Höhepunkt trat der Limburger Männerchor Cantabile auf, der unter der Leitung von Musikprofessor Jürgen Fassbender seinem Ruf als international agierender Spitzenchor alle Ehre machte. Chorklang, Auftritt und Darbietung passten: Stilsicher und mit einem Akzent auf den „ungewöhnlichen“ Aspekten eines Liedes, auch eines bekannten, trugen sie existentiell verstandene Naturlyrik vor („Wand’rers Nachtlied“ im Satz von Mangold), geistliche Lieder oder lyrische Naturstimmungen, charakteristische (insulare) Volks- und Identitätslieder (super: die Hammerschläge beim „Blacksmith“) und bewiesen auch mit den „Engeln“ von Rammstein, welche musikalische Qualität darin steckt! – Hubert Rudolf Groos und der NGV können beruhigt sein: Dieses Galakonzert bot Besonderes! – Wer das Konzert übrigens noch einmal hören möchte, kann eine Aufnahme vom Konzert erwerben.

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