Neues Repertoire – mehr Werke aus der Klassik

Netphen. (Loh) Im Sommer hat Jens Schreiber dem Netphener Gesangverein 1861 mitgeteilt, dass er wegen Verlagerung seines Arbeitsvolumens als Dirigent nicht mehr zur Verfügung stehen könne.
Handeln tat Not, erklärte Vereinspräsident Hubert Rudolf Groos und Dieter Bruch, Vorsitzender des Männerchors. Von vier Bewerbern wurden zwei zum Probedirigat eingeladen. Einer passte: Alexander Weber wurde von den Sängern einmütig – bei wenigen Enthaltungen – zum neuen Dirigenten gewählt. Er hat seine Arbeit am 3. September aufgenommen.

Zwei Aufgaben stehen an: Das Weihnachtskonzert beherrscht jetzt schon die Probenplanung. Und im Jahr 2009 muss der Meisterchortitel verteidigt werden, den die Sänger seit 1974 in ununterbrochener Folge im Abstand von fünf Jahren erworben haben. Zurzeit zählt der Männerchor 60 Mitglieder. Im Gesangverein 1861 besteht noch der 1996 gegründete Frauenchor unter Leitung von Ute Lingerhand-Hindsches und der Junge Chor „fun4voices“, den jetzt Chorleiter Bernd Schneider betreut.


Der Netphener Gesangverein 1861 beschäftigt gegenwärtig also drei Dirigenten, was logistisch und ökonomisch nicht immer ganz einfach ist. Weber ist 40 Jahre alt und wohnt in Hülsborn, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er kommt von der geistlichen Musik her, ist Berufschorleiter und betreut im Moment elf Chöre, die meisten im Sauerland. Aber er ist neugierig auf die Arbeit mit Siegerländern.

Weber möchte über die Programmgestaltung ein für den Chor eigenes Profil entwickeln. Natürlich ist ihm klar, dass er bestimmte Hörerwartungen befriedigen muss; aber er möchte den Sängern und dem Publikum auch Ungewohntes zumuten und schmackhaft machen. So denkt er daran, mehr Werke aus dem Repertoire der klassischen Konzertchöre einzustudieren, ohne deswegen auf Gospelsang und Spirituals verzichten zu müssen oder gar der Volksliedpflege abzusagen.

Er meint, es bedürfe keiner spezifischen Programmschwerpunkte, um mehr junge Sänger an den Verein zu binden. Allein die Art, wie im Chor gearbeitet werde, könne junge Männer neugierig machen und dauerhaft anziehen. In ähnlicher Weise sieht Präsident Groos das Nachwuchsproblem: „Wir machen da keine besonderen Aktionen, sondern müssen immer wieder Einzelne, bei denen wir ein Interesse vermuten, heranziehen. Und wir müssen uns darauf einstellen, dass sie dann nicht mit der Ausschließlichkeit zu unserem Verein gehören, wie wir das aus der Vergangenheit kennen.“

WR vom 18.09.2007
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